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  LITERATUR / EIN ABEND MIT TEXTEN VON WOLFGANG BORCHERT    
  Vor dem Vergessen bewahren    
  Uwe Haas, Siegfried und Michael Hermann sowie Peter Rinker im Theater in der Talmühle    
  In diesem Jahr wäre Wolfgang Borchert 95 Jahre alt geworden. Anlass für das Theater in der Talmühle einen Abend mit Texten des Schriftstellers zu gestalten.    
  EVA MENNER    
       
  blaubeurfen·: Der Abend mit Texten des verstorbenen Schriftstellers Wolfgang Borchert wurde ein Abend mit vielen ernsten, nachdenklich machenden Seiten, aber auch ein Abend, bei dem herzlich gelacht wurde. So, als Siegfried Hermann, auswendig und mit großen schauspielerischem Talent meisterhaft die Erzählung "Schischyphusch oder der Kellner meines Onkels", einen der wenigen humorigen Texte Borcherts vortrug, besser gesagt vorspielte. Für die musikalische Seite waren Michael Hermann und Uwe Haas zuständig.
Der Hamburger Johannes Kirchberger hat vor ein paar Jahren etliche Gedichte Borcherts für Klavier vertont und eine CD mit dem Titel "Meine Seele ist noch unterwegs" herausgebracht. Herausgekommen sind bewegende Stücke voller Melancholie wie das Titelstück. Aber auch passende andere Stücke hatten die Musiker ausgewählt, "Redarmy Blues" von den Water Boys oder "Ich weiß" von Herman van Veen nach einem Original von Jacques Brel. Peter Rinker stellte Borcherts Leben und Werdegang vor. "Die Erinnerung an Wolfgang Borchert ist ein Beispiel dafür, wie Krieg einen jungen Menschen in seiner Existenz allmählich zerstören kann", sagte er. Innerhalb seines kurzen Lebens, er starb schon mit 26 Jahren, habe Borchert ein großes literarisches Erbe geschaffen. "Wir sehen unsere Aufgabe darin, es mit dem heutigen Abend vor dem Vergessen zu bewahren", so Rinker.
Borchert wurde 1921 geboren, auf Betreiben seiner Eltern begann er eine Buchhändlerlehre, brach sie aber ab und absolvierte stattdessen eine Schauspielausbildung. die er 1941 bestand. Obwohl er und seine Familie von der Gestapo bespitzelt wurden, hielt er zu regimekritischen Künstlerkreisen Kontakt. Seine "kurze wunderbar Theaterzeit" empfand er als die schönste seines Lebens. Als 20-Jähriger wurde er zum Kriegsdienst einberufen an die Front bei Smolensk abkommandiert. Verletzungen, Infektionen, Anklagen wegen Selbstverstümmelung, Gefängnis, Wiederversetzung an die Front, Erfrierungen, erneute Verhaftung und Verurteilung wegen Wehrkraftzersetzung folgten. Borchert wurde nie wieder gesund und starb am 20. November 1947, einen Tag vor der Theateruraufführung seines wohl bekanntesten Stücks "Draußen vor der Tür", das der Schwerkranke innerhalb von acht Tagen geschrieben hatte. Kaum weniger bekannt ist sein letztes Werk, "Dann gibt's nur eins", das er nur wenige Tage vor seinem Tod verfasste, und das Rinker ebenfalls in der Talmühle las.
Die wiederholte Aufforderung "Sag Nein" im Text wurde später zu einem Motto der Friedensbewegung. "Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins: Sagt Nein!" schreibt Borchert gegen den Krieg an. "Das Brot", erzählt von Siegfried Hermann, schildert, wie angesichts der Nahrungsknappheit der Nachkriegsjahre eine heimlich abgeschnittene Scheibe Brot zum Anlass für Lügen wird.

Erscheinungsdatum: 22.Januar 2016 copyright Das Blaumännle
   
       
       
       
       
 

KLEINKUNST / PREMIERE VON "HäNSEL UND GRETEL" ALS MARIONETTENSPIEL
Schwäbisches Lokalkolorit
Mit "Hänsel und Gretel" ist dem Team des Theaters in der Talmühle wieder eine gelungene Marionettentheateraufführung gelungen. Die ist nicht nur für Kinder, sondern für ein Publikum jeden Alters geeignet.
EVA MENNER
blaubeuren·: Am Sonntag war vor voll besetztem Haus im Theater in der Talmühle wieder mal Premierenzeit. Aufgeführt wurde das Marionettenstück "Hänsel und Gretel". Grundlage für die Inszenierung ist die Kinderoper von Engelbert Humperdinck. Das Stück für die Talmühle zu adaptieren, war eine große Herausforderung. Die Originaloper dauert mehr als zwei Stunden, das machte es nicht einfach, das Stück auf die Gegebenheiten für das Marionettentheater in der Talmühle zu übertragen. Schon seit einem Jahr wurde an der Aufführung gearbeitet. Viele Vorüberlegungen, plausible Kürzungen des Stücks, und die Reduzierung auf das Machbare stecken dahinter. Die Puppen mussten angefertigt und eingekleidet werden, Kulissen gemalt und technische Schwierigkeiten gemeistert werden.
Wie kann man zum Beispiel einen Ofen konstruieren in dem Gretel, die an Fäden hängt, eine ebenfalls an Fäden hängende Hexe in den Backofen steckt? Peter Rinker, verantwortlich für Kulissen und Bühnenbild, fiel eine Lösung dazu ein. In den Text eingearbeitet wurde allerlei schwäbisches Lokalkolorit, wenn zum Beispiel die hungernden Kinder nach einer Butterbrezel lechzen.
In der Talmühle galt, wie es sich für ein gutes Märchen gehört: Ende gut alles gut, Hexe tot und Hänsel und Gretel wieder bei den glücklichen Eltern. Dass die Marionettenspieler inzwischen schon viel Erfahrung haben, zeigten Szenen wie der Tanz von Hänsel und Gretel, das Sandmännchen, das tatsächlich Glitzersand über Hänsel und Gretel ausschüttet, oder der Vater, der seinen Rückenkorb auf einem Tisch abstellt. Da gekürzt werden musste, sind nur die Hauptarien zu hören, von denen viele bekannt sind, erklärt Barbara Rinker, zuständig für Text und Regie. Bei der Aufführung eingespielt wird eine Aufnahme des Münchner Rundfunkorchesters aus dem Jahr 1971. Die nächsten Aufführungen sind am Freitag, 13. November, am Sonntag, 15.November, und am Sonntag, 22. November

Erscheinungsdatum:  30.10.2015, Copyright Das Blaumännle

 

LESERBRIEF von Barbara Rinker 19.09. 2015:
Rollen vertauscht
"Was hent se denn do für a Duranandr a'grichtet?" hätte der Dodel gefragt. Als Regisseurin und Drehbuchautorin des Stücks "I d'r Dodel" möchte ich die tatsächliche Rollenverteilung darstellen: Die urteilende Amtsperson im langen braunen Umhang und die Handpuppe im Wirtshaus wurden gespielt von Peter Rinker. In einer Doppelrolle als Wagnermeister Mauchert (mit Handpuppe) und als sein "Schlofkamrad" Frieder Schwarzenbolz, die den Dodel sehr unterschiedlich bewerteten, trat Jakob Leube auf. In die Rolle der deftigen Wirtin schlüpfte Barbara Rinker.
Ulrike Vöhringer spielte ebenfalls mehrere Rollen, nämlich die des Schneidermeister Mausezahn, die der Ehefrau des Frieder Schwarzenbolz, die Rolle der entsetzten Häfnerin, und sie führte eine der Mädchen am Marionettenfaden, die andere Marionette führte Barbara Rinker. "So, etzt woiß ma's gwieß ond muas net prozessiera," hätte der Dodel vermutlich nach seinen Korrekturen zufrieden vermeldet.
Barbara Rinker, Blaubeuren
 
 28.08.2015
KULTUR / AUFFüHRUNG EINER KOMöDIE IM THEATER IN DER TALMüHLE
Über den schlauen Richter Dodel
Er war ein Original, der Oberamtsrichter Wilhelm Adam Dodel von Blaubeuren. Eine Komödie über ihn wird Anfang September im Theater in der Talmühle gezeigt.
SWP
Blaubeuren·: Geboren wurde er am 25. März 1850 in Ebingen, gestorben ist er 1934 in Moosbach bei Nürnburg. Gelebt und gewirkt hat Wilhelm Adam Dodel in Blaubeuren von 1892 bis 1913. Und in Blaubeuren ist er auch heute noch bekannt, nicht nur durch den nach ihm benannten Dodelweg, sondern vor allem durch die Anekdoten, die man sich heute noch von ihm erzählt. Und nun kommt er auch noch auf die Bühne. In der Komödie "I, dr Dodel", inszeniert von den beiden Theatern "Theater in der Talmühle", Blaubeuren, und "Theater in der Westentasche", Ulm, werden das Leben und ausgewählte Urteile des "schwäbischen Salomo" nachgezeichnet. Dabei kommen verschiedene Spielformen zum Einsatz. Monologe und Dialoge realer Personen und Dialoge von Handpuppen, auch eine kleine Szene mit Marionetten, ein Sprechchor und Musikeinlagen sollen in unterhaltsamer Weise den "Dodel von Blaubeura" nahe bringen. Dass dies nur in schwäbischer Sprache geschehen kann, ist selbstverständlich, soll aber keine Nichtschwaben vom Besuch dieser Komödie abhalten.
Die Uraufführung des Stückes fand Anfang August im Ulmer Naturtheater "theater in der au" im Fort Friedrichsau statt. Im September wird die Komödie in Blaubeuren im Theater in der Talmühle zu sehen sein: am Freitag, 4. September und am Samstag, 5. September jeweils um 19 Uhr; am Sonntag, 6. September um 16 Uhr.
 
Erscheinungsdatum:  28.08.2015, Copyright Das Blaumännle Foto: Frank luwe

Die Talmühle ist Ein-Zimmer-Theater by

                                                                         Geboten werden in Blaubeuren am Blautopf Marionetten-, Kasperle-Theater und Literatur  mehr

Der Mann ist alles, die Frau ist nichts? Blaubeurer Theater in der Talmühle zeigt im Dialog die Realität und das Ideal Indiens auf

Foto:Daniel Baz

 Die Generation derer, die Vorbildern wie Gandhi oder Nehru nachstrebten und ihr Leben hingaben, um Krankenhäuser für die Armen zu bauen und zu betreiben, stünde heute fassungslos einer rücksichtslosen und selbstsüchtigen Mehrheit von Jungen Karri

Blaubeuren sz 14 Menschen wollten sich am Freitagabend einen Eindruck von Indien machen und begaben sich hierfür ins Theater in der Talmühle in Blaubeuren. Die Anwesenden erfuhren, wieso die Unterwürfigkeit der indischen Frauen die Gesellschaft stützt.

Im Theater ließ die ehemalige Lehrerin Heide Rau in einem szenischen Dialog Rabindranath Tagore und Henry Michaux als Vertreter des Ostens und des Westens miteinander ins Gespräch kommen. Nikolaus Kollet sprach Texte des eher unbekannten französischen Dichters Henry Micheaux. Bernd Beuter lieh Rabindranath Tagore seine Stimme. Heide Rau aktualisierte das Gespräch mit den Stimmen von Aravind Adiga einem zeitgenössischen Autor. Konzipiert hatte das Stück ebenfalls Heide Rau, die ihre eigenen Reisebilder stimmungsvoll in die Inszenierung eingewoben hatte.

Anhand einer Unterhaltung über Frauen und Bildung in Indien konnten die Zuschauer zu Beginn eintauchen in den verblüffenden Kontrast zwischen der tiefen spirituellen Mystik der Erwägungen des indischen Dichters Tagore und den zwischen Bewunderung und Kritik schwankenden Beobachtungen Henry Michauxs, der ebenfalls jahrelang in Indien lebte. Tagore, der einst den Text der indischen Nationalhymne dichtete, gilt neben Mahatma Gandhi als ein führende Persönlichkeit in der Befreiung Indiens von der englischen Kolonialmacht.

Michaux alias Kollet formulierte den kritisch-realitischen Nenner der Ansichten beider Dichter über die Rolle der Frau im hinduistischen Indien: „Er ist alles, Sie ist nichts. Hindufrauen sind unterwürfig wie in einer Ameisengesellschaft, damit halten sie die Herrschaft aufrecht.“ Michaux beschreibt im Jahre 1962 Indien nach der Befreiung in den 40er Jahren. Einerseits verehrt er wortgewaltige Visionäre wie Tagore. Andererseits hat er einen schärferen Blick für die andere Seite Indiens, bei der es eher um Gewalt und Unterdrückung der Frau geht.

Gleichheit und Gerechtigkeit und persönlicher Vorteil

Michaux wirft dem indischen Dichterfürsten im von Rau inszenierten Gespräch vor, er hätte die Zuhörer zwar um Werte wie Gleichheit und Gerechtigkeit versammelt, aber sie fassten sich nicht bei den Händen. Und in Wirklichkeit seien sie insgeheim nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht.

In dem Gespräch zeigte sich eine wichtige europäische Perspektive: Die auf Indien projizierte romantische Sehnsucht nach einem Aufgehen in einem warmen Wir-Gefühl. Dieser Sehnsucht stellt der von Rau gelesene Aravind Adiga eine harsche Bilanz der Lebensprojekte der Gandhi Anhänger entgegen. „Die Generation derer, die Vorbildern wie Gandhi oder Nehru nachstrebten und ihr Leben hingaben, um Krankenhäuser für die Armen zu bauen und zu betreiben, stünde heute fassungslos einer rücksichtslosen und selbstsüchtigen Mehrheit von Jungen Karrieristen gegenüber.“

Viele Seiten Indiens, aber nur ein Kastensystem

Das Kastensystem welches offiziell seit 1947 verboten ist, sei aber noch immer das älteste Sozialversicherungssystem der Welt, erklärte Heide Rau. Es reproduziere die religiös legitimierten sozialen und ökonomischen Herrschaftsverhältnisse und die Unterwürfigkeit der Frauen, sei eine Rechtfertigung für sein langes Bestehen. Es gebe auch andere progressive Seiten Indiens, welches beispielsweise in den 1960er Jahren schon das erste weibliche Staatsoberhaupt gehabt habe.

Je mehr der Verfall der alten indischen Traditionen aber ein Vakuum an Sinn und Regeln hinterlasse, desto stärker sei die Gegenbewegung in die Radikalisierung der Religion und damit auch der Heiratsregeln. Die Essenz der hinduistischen Moral, könnte man als selbstlose Pflichterfüllung innerhalb der schicksalhaft auferlegten Lebenssituation auf dem Weg zur Erlösung umschreiben. Dabei sei oft der Mann, und mehr noch der männliche Brahmane, das Bild Gottes. Die Zwangsehe ist dabei ein System zur sozialen Absicherung, ähnlich wie früher bei uns auch: „D´s Sach kommt zum Sach“ warf die Intendantin des Theaters Talmühle Barbara Rinker ein.

In den oberen drei Kasten herrschten im Hindugürtel in Nordindien heute noch rigorose Heiratsregeln so die ehemalige Lehrerin Rau. Ein Herr aus dem Publikum, der Studenten aus Indien betreut, erzählt dazu eine Anekdote: Ein indischer Student den er betreute, habe sich in eine indisches Mädchen glücklich verliebt. Sie seien an der westlichen Universität gefeiert worden, dann aber hätten die beiden sich über Nacht getrennt. Der Grund: Die Eltern des Paares hätten gedroht, sie zu besuchen und für Ordnung zu sorgen. Die Abhängigkeit der jungen Inder vom Gutdünken ihrer Eltern sei ein Hemmnis für ihre Entwicklung, argumentierte Heide Rau. Sie engagiere sich deshalb speziell für eine Schule in Nepal der auch ein Teil der Einnahmen des Abends zu gute kämen.

 


Schwäbische.deAus der , online

Die Talmühle ist Ein-Zimmer-Theater mit drei Sparten

Geboten werden in Blaubeuren am Blautopf Marionetten-, Kasperle-Theater und Literatur

Meister der Marionetten: Die Puppenspieler führen ihre Figuren an unsichtbaren Fäden und erwecken sie zum Leben. Das Blaubeurer
Meister der Marionetten: Die Puppenspieler führen ihre Figuren an unsichtbaren Fäden und erwecken sie zum Leben. Das Blaubeurer Theater in der Talmühle ist über den Norma-Parkplatz erreichbar. Neben Marionetten- und Kasperle-Theater gibt es dort auc
Jutta Kriegler 

Blaubeuren sz Das Blaubeurer Theater in der Talmühler in der Karlsstraße 44 – mit Zugang vom Norma-Parkplatz über die Aach-Brücke - bietet neben dem Marionetten-Theater auch ein Kasperle-Theater-Programm sowie eine Veranstaltungsreihe mit Literatur und Musik.

Mit 42 Sitzplätzen und drei Sparten hat das Theater ein breites Angebot für alle Altersgruppen. Für Schulen, Kindergärten können bis zu 60 Plätze pro Vorstellung bereitgestellt werden. Mit der Stadtbücherei gibt es seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Für Gruppen ab 20 Personen können extra Veranstaltungen gebucht werden.

Das Marionetten-Theater fasziniert Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Ursprünglich ist diese Kunstform als günstige Alternative zum „großen“ Theater erfunden worden, das sich Leute mit kleinem Geldbeutel nicht leisten konnten. Die Themen-Palette reicht von Märchen und Sagen bis hin zu ganzen Opern. Das Blaubeurer Marionetten-Theater ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Auswahl bisheriger Produktionen zeigt.

Das Kasperle-Theater ist besonders für Kindergarten- und Grundschulkinder geeignet und findet einmal im Monat statt. Gespielt werden Geschichten mit klassischen Figuren wie Räuber, Hexe und Zauberer, die allen Kindern gut bekannt sind und immer ordentlich eins auf den Deckel kriegen – natürlich nur, wenn sie es auch verdient haben. Alle Stücke spielen in „Kasparbeuren“ und sind auch für Erwachsene lustig – auf einer zweiten Ebene. Auch bei Großeltern und Enkeln erfreut es sich großer Beliebtheit.

Das Literatur-Programm umfasst Lesungen, Balladen, Biographien, Einakter und Dia-Vorträge. Zu Wort kommen Autoren wie Busch, Kästner, Tucholsky, Sarah Kirsch, Anette Droste-Hülshoff oder Christine Brückner. Lebensläufe und Lieder von Sängerinnen wie Sarah Leander gehören ebenso mit dazu wie Reise-Berichte mit Bildern aus Nepal, Laos, Indien oder Kambodscha.

Auszug aus den bisherigen Aufführungen des Blaubeurer Marionetten-Theaters: Der gestiefelte Kater, Fatima oder die Befreiung der Träume (2008), Der Zauberlehrling, Der Teufel mit den goldenen Haaren (2009), Jorinde und Joringe (2010), Rumpelstilzchen, Die Entführung aus dem Serail (2011) Hans und die Zaubergeige, Wie die schöne Lau das Lachen lernte (2012), Kalif Storch (2014), Hänsel und Gretel, Die kluge Bauerstochter (2015).

Theater in der Talmühle – Programm-Vorschau bis Ende März

Das Programm reicht von der schönen Lau über Kalif Storch und dem Kasperle bis hin zu Lesungen mit indischer Literatur.

Das Marionetten-Theater startet ins Jahr 2015 am Sonntag, 25. Januar um 16 Uhr mit der „Historie von der schönen Lau“ nach dem Text von Eduard Mörike für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene jeglichen Alters (Eintritt: sieben Euro).

Am Sonntag, 8. Februar wird um 16 Uhr „Kalif Storch“ gezeigt - eine Aufführung nach dem Märchen von Wilhelm Hauff für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren (Eintritt sieben Euro).

Am Freitag, 20. Februar gibt es um 20 Uhr Literatur und Musik unter dem Titel „Indien zwischen Ideal und Wirklichkeit“ mit zwei Dichtern im Dialog – ergänzt mit Texten und Bildern aus der zeitgenössischen indischen Literatur (Eintritt: sieben Euro).

Eine „szenische Lesung“ unterhält die Gäste am Donnerstag, 26. Februar mit Texten aus dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupery, gelesen von Thomas Dentler und Nancy Calero – ein Theater-Erlebnis für Jung und Alt, geistreich, humoristisch, voll poetischem Charme und anrührender Menschlichkeit.

Das erste Kasperle-Theater im Jahr 2015 gibt es am Samstag, 28. Februar um 15 Uhr. Titel: „Kasper und das Volk der kleinen Leute“. Seltsame Geräusche in Kaspers Haus lassen die Oma nicht ruhig schlafen. (Eintritt: drei Euro).

Weitere Programm-Infos unter . Karten-Reservierung über Barbara Rinker, Telefon 07355-919326 oder E-Mail:

 


 aus:
KULTUR / LESUNG MIT MUSIK üBER SüDAMERIKA
Sehr kurzweiliger Abend
Gitarristen Rudolf Keller, Joe Wenger sowie Ulrich Scheinhammer-Schmid in der Talmühle
Im Theater in der Talmühle stand bei einer Lesung mit Musik Südamerika im Mittelpunkt. Unter "Agua e vinho" (Wasser und Wein) war der Abend umschrieben. Geboten hat er viel mehr.
MARGOT AUTENRIETH- KRONENTHALER
blaubeuren·: Mit Rudolf Keller und Joe Wenger waren zwei hervorragende Gitarristen zugegen, die in die musikalische Welt Südamerikas entführten, vor allem in die von Brasilien und Argentinien. Kongenial dazu Ulrich Scheinhammer-Schmid, der sich einige ausgefallene Texte der südamerikanischen Literatur vorgenommen hatte und sie ansprechend vorlas und gestaltete. Die beiden Instrumentalisten spielten auf verstärkten Akustik-Gitarren, setzten unterschiedliche Zupf- und auch Schlagtechniken ein, benutzen dann und wann ihr Instrument als Klangkörper, auf den sie Rhythmen trommelten. Man konnte sich in die Klänge fallen lassen, die melodisch-ruhig, teilweise fast meditativ, oder auch tänzerisch-temperamentvoll waren.
Die Musik Südamerikas vermischt Musikstile der europäischen und afrikanischen Tradition. Virtuos wurden Tango, Choro oder Bossa Nova gespielt, dynamisch und rhythmisch ausgestaltet. Die Atmosphäre des Inhalts der Musikstücke wie etwa die Beschreibung einer Inselgruppe oder eines Clowns wurde mit musikalischen Mitteln gekonnt eingefangen.
Ulrich Scheinhammer-Schmid hatte historische Texte und auch Gegenwartsliteratur im Gepäck. Er ist ein begnadeter Erzähler, Vorleser und Gestalter der Texte. Er spricht ausdrucksvoll, liest in verteilten Rollen, flüstert, moduliert die Stimme und artikuliert hervorragend. Man konnte genussvoll zuhören, wären einige Texte nicht gar so grausig-schaurig. Etwa die Berichte von Ulrich Schmiedel, der anno 1534 nach Südamerika auswanderte und über die Gründung von Buenos Aires sowie die Eroberung Südamerikas berichtete. Der Hunger zwingt die Eroberer, Schuhe und Leder zu essen. Als einige sich an einem Ross vergreifen, werden sie kurzerhand gehängt. Heimlich schneiden sich andere Teile der Gehängten ab und essen sie, um nicht zu verhungern.
Aus Aufzeichnungen und Briefen von Anton Sepp, einem Jesuiten und Missionar, wird ein Stück eigenartige Missionsgeschichte gegen Ende des 17. Jahrhunderts deutlich. Der musikalische Jesuit bittet dringlich in Briefen um weitere Kompositionen und geistliche Musikstücke, die er mit den Indianern für die Messe einüben will. Die Jesuiten hatten spezielle Niederlassungen gegründet, in denen die Ureinwohner Schutz vor Versklavung fanden. Das hatte allerdings für die Indianer seinen Preis, sie mussten sich zum Christentum bekehren. Sehr lebendig und anschaulich, teils in blumigen Worten schildert der Missionar das Leben und die Gebräuche in der Niederlassung. Für denjenigen, der das Porto für die Verschickung der Kompositionen übernehmen wollte, dem stellte er gleich sechzig für ihn gelesene Messen in Aussicht. Vorbildlich fand er, wie die Indianer sich beim Sterben verhielten. Man könne von ihnen diesbezüglich viel lernen, meinte der Jesuit.
Literatur jüngeren Datums gab es von Pablo Neruda mit "Ode an die Zwiebel", in der der bekannte Dichter mit wunderbaren Worten des unscheinbaren Gemüses gedenkt. Eine nicaraguanische Dichterin beschreibt in einem ganz eigenwilligen Rezept-Gedicht die 500-jährige Geschichte ihres Landes mit einem Augenzwinkern. Der Rezitator bringt es humorvoll auf den Punkt. Er verstand es auch, die ausschweifende und ausschmückende Schilderung eines Balls sehr lebhaft mit geschliffenen Worten wiederzugeben. Viel Beifall gab es am Ende vom Publikum für einen kurzweiligen Abend in der Talmühle..
Erscheinungsdatum:  24.10.2014, Copyright Das Blaumännle photo: Margot Autenrieth - Kronenthaler

KULTUR / TAG DER OFFENEN TüR IM THEATER IN DER TALMüHLE
Lebendiges Spiel
Mit einem "Tag der offenen Tür" ist das Ensemble des Blaubeurer Theaters in der Talmühle in das siebte Jahr seines Bestehens gestartet. Dabei wurde einiges geboten.
SWP
 
Blaubeuren·: Auf der Filmleinwand wurden ältere Marionettenstücke gezeigt, ein Kasperstück erfreute die kleinen Besucher, während Erwachsene und größere Kinder hinter der Bühne die Kunst ausprobieren konnten, eine Marionette zum Leben zu erwecken. Daneben zeigte eine Werkausstellung, woraus und wie die Marionetten des Theaters in der Talmühle entstehen und wie kompliziert ein Regiebuch eines Marionettenstücks im Laufe der Probearbeit wird.
Auf elf Schautafeln war das vielfältige Schaffen des Theaterensembles aus den vergangenen sechs Jahren zu betrachten: Plakate und Zeitungsausschnitte von acht Marionettenproduktionen, 22 Kasperstücken und 42 unterschiedlichen Vorstellungen in der Reihe "Literatur und Musik". Selbst aktive Mitglieder staunten über die Vielfalt der Angebote, die sich hier zeigte.
Auch das Programm der nächsten vier Monate wurde vorgestellt: Während der "Kalif Storch" weiter gezeigt wird, entsteht im Hintergrund eine neue Produktion - vier neue Kasperstücke. Die Reihe "Literatur und Musik" bietet neben der Wiederholung des "Sächsisch-schwäbischen Abends" und dem "Abend mit Erich Kästner" interessante Vorträge: Musik und Literatur aus Südamerika mit dem Gitarrenduo Keller & Wenger, Barbara Schmid präsentiert "Zarah Leander" in ihrem Solotheaterstück "Kann denn Liebe Sünde sein?", Theresia Eggermann holt die Dichterin "Hilde Domin" aus der Vergessenheit zurück, das gleiche hat das Theaterensemble vor mit alten Balladen. Auch der Märchenerzähler Kolja wird mit der Magierin Birte das Publikum wieder in seinen Bann ziehen.
 
Erscheinungsdatum:  12.09.2014, Copyright Das Blaumännle

KULTUR / SÄCHSISCH-SCHWÄBISCHER ABEND IN DER TALMÜHLE
"Nex verkomma lassa"
Zu einer rundum vergnüglichen Sache geriet der Sächsisch-schwäbische Abend im Theater in der Talmühle. Der gebürtige Blaubeurer Siegfried Hermann lebte über 40 Jahre in Dresden, bevor er mit seiner Frau vor 15 Jahren wieder zurück in die Heimat kam.
MARGOT AUTENRIETH-KRONENTHALER
Blaubeuren·: Da Kinder, Enkel und Freunde in Sachsen leben ist Siegfried Hermann mit dem Landstrich nach wie vor stark verbunden. Kein Wunder, dass der 78-Jährige beide Dialekte fließend beherrscht. Davon konnte sich ein "multi-kulturelles" Publikum überzeugen - es waren immerhin rund ein Dutzend waschechte Sachsen anwesend. Das Theater war mit rund fünfzig Personen bis auf den letzten Platz besetzt.
Siegfried Hermann rezitierte humorvoll, überaus lebendig mit passender Mimik und Gestik und nahezu auswendig. Zunächst trug er Texte und Gedichte von Lene Voigt in sächsischer Mundart vor. Die dem linken Milieu zuzuordnende Schriftstellerin und Mundartdichterin, war während der NS-Zeit und auch in der DDR verboten. Sie verfasste Gedichte und Parodien im Dialekt und übertrug klassische Werke ins Sächsische. In einer Ballade ging es um Kaiser Karl, der im Sächsischen zum "Gaiser Garl" mutierte. Aus der Oper "Turandot" wurde "Durandod - die besiechde Emanzibierte". Witzig wird von einem wackeren Sachsen berichtet, der der mordlustigen Prinzessin gewachsen war. Schwaben hatten da so ihre Probleme, alles verstehen zu können. Einfacher wurde es im zweiten Teil für sie.
Da kamen Texte, Gedichte und Geschichten der populären schwäbischen Dichter und Denker wie Thaddäus Troll, Sebastian Blau, Gerhard Raff oder Otto Keller zum Vortrag. Selbstironisch nehmen die Schwaben sich da aufs Korn. Bekannte Klischees von der Sparsamkeit über das mangelnde Zartgefühl bis hin zum Arbeitseifer und zur Kehrwoche wurden ausgiebig zur Freude des Publikums thematisiert. Das größte Kompliment an eine schwäbische Frau? "Dui sieht abgschafft aus" oder "Dui ka aber schaffa!" Was tut der Schwabe mit seinem Lottogewinn? "Ufanander lega".
Kongenial musikalisch begleitet wurde Siegfried Hermann von seinem Neffen Michel Hermann (Gitarre, Geige), sowie Daniela (Akkordeon) und Markus Müller (Gitarre). Gekonnt wurden da sächsische und schwäbische Lieder zum Besten gegeben, bei denen oft herzhaft gelacht werden konnte. Ganz köstlich etwa "Nex verkomma lassa", bei dem die Hardcore-Variante der schwäbischen Sparsamkeit besungen wird. Die "Schwabenhymne" wurde zelebriert, nostalgisch-schön und etwas wehmütig geriet "I möchte amol wieder en Lausbua sei".
Eine gebürtige Sächsin unter den Besuchern der Veranstaltung freut sich über den Abend: "Sachsen und Schwaben haben viel gemeinsam. Sie sind fleißig und ordentlich und bei beiden gibt es viele Dichter und Denker." Der Abend habe sie an ihre Kindheit in Leipzig erinnert und sie habe sich bestens amüsiert. "Aber wir verwenden die richtigen Artikel und die richtigen Worte, im Gegensatz zum Schwäbischen", meint die Sächsin. "Wir sagen nicht der Butter oder schmecken statt riechen", betont sie. Schwäbische und sächsische Gaumenfreuden wie Wibele und Rahmbrezel oder Eierschecke und Gäsegeilchen schmeckten beiden Landsleuten gleichermaßen.
Am Ende war man sich einig: "Schwäbisch oder Sächsisch des isch gsond, des isch et übertrieba, des ghört vom Arzt verschrieba."
Viel Applaus für die Akteure. Mit dieser Veranstaltung geht das Theater in der Talmühle in die Sommerpause.
Erscheinungsdatum:  23.05.2014, Copyright Das Blaumännle
 

LITERATUR / THEATER IN DER TALMÜHLE: ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF UND SARAH KIRSCH

Musik und Lyrik
Mit einer musikalischen Uraufführung endeten am vergangenen Sonntag zwei Stunden Lyrik im ausverkauften Theater in der Talmühle: Der Schneewittchen-Walzer von Peter B. Smith, eigens für das Schneewittchen-Trio komponiert, erklang schön gespielt.
 
Blaubeuren·: Die drei Musikerinnen, Manuela Riegner, Querflöte, Almuth Schmiedel, Violine und Sabine Rinkel, Cello, haben an dem Lyrik-Abend in der Talmühle mit teils klassischen, teils modernen Musikstücken die Vorträge zweier Dichterinnen ergänzt.
Dagmar Stemann und Barbara Rinker stellten an dem Abend Annette von Droste-Hülshoff und Sarah Kirsch vor. Ausgangspunkt war das Lob des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, Sarah Kirsch sei "der Droste jüngere Schwester". Ein weitere Verbindung bietet sich in Sarah Kirschs Gedicht "Der Droste würde ich gern Wasser reichen". Um das Gedicht zu verstehen, stellte Dagmar Stemann Annette von Droste-Hülshoff vor. Die Besucher erfuhren von einer leidenschaftlichen Frau, einer großen Liebenden, die ihr Leben lang gegen Krankheiten und Schwäche ankämpfte, den Fesseln der adligen Herkunft unterworfen war und dennoch unbeirrt Gedichte schuf, die auch heute noch aussagekräftig sind. Barbara Rinker zeichnete an Hand von biographischen Daten skizzenartig das Leben von Sarah Kirsch nach, das so ganz anders verlaufen war als das ihrer "großen Schwester". Die 1935 geborene Dichterin hatte sich zunächst der Forstarbeit zugewandt und dann Biologie studiert. Zur Dichtkunst war sie in ihren zwanziger Jahren gekommen durch die Heirat mit dem Lyriker Rainer Kirsch. Ihren eigentlichen Vornamen Ingrid tauschte sie mit den ersten Veröffentlichungen gegen den Vornamen Sarah ein - als Protest gegen die Verfolgung und Massenvernichtung der Juden während der NS-Zeit.
Barbara Rinker erläuterte, dass Sarah Kirsch keine naturschwärmerische Lyrik verfasste, vielmehr wurden Beobachtungen, Momentaufnahmen, Augenblicke, Gedanken, Gefühle, Befindlichkeiten und Wünsche zu Gedichten verschmolzen. Annette von Droste-Hülshoff tat dies in gereimter, Sarah Kirsch in einer sehr freien Form. Liebe, Sehnsucht und Verlust waren bei beiden das Hauptmotiv der Dichtung.
Erscheinungsdatum:  09.05.2014, Copyright Das Blaumännle
 
TALMÜHLE / CHANSONS, GASSENHAUER UND GEDICHTE AUS DER HAUPTSTADT
Begegnung mit Berlin - mal betulich, mal flott
Eine musikalische Reise nach Berlin war am Freitagabend im Theater in der Talmühle angesagt.

Die Gruppe "Vorgestern" entführte das Publikum mit

Chansons, Gassenhauern, Schlagern und Gedichten ins Berlin, wie"s einstens war.

EVA MENNER
Eine Begegnung mit Berlin, wie eine Ulmer Schwäbin Berlin erlebt, betiteln Angelika Blattner, Marlis Schabacker-Bock und Christoph Bock ihr Programm.

Gretel Häberle alias Angelika Plattner führte nebenbei strickend und auf Schwäbisch mit kleinen Geschichten und Überleitungen durch den Abend. Das war bisweilen etwas sehr betulich, und das bewundernde Staunen der Provinzlerin über das Treiben in der großen Stadt wirkte leicht überstrapaziert.
Flott daher kam der musikalische Teil mit Christoph Bock am Keybord und Sängerin Marlis Schabacker-Bock, die je nachdem frech oder mondän Berliner Flair verbreitete - mit attraktiven Hit wie "In dieser Stadt kenn ich mich aus" von Hildegard Knef, Otto Reutters "Nehm"n Sie "n Alten!" oder dem gefühlvollen "Lieber Leierkastenmann, fang nochmal von vorne an".
Plattner ließ Zilles Milieu wieder auferstehen, erinnerte an das Berliner Nachtleben und die berühmten Ballhäuser, Sie erzählte vom "Zickenschulze", dem "Cleverle aus Bernau, der aus Dreck Geld machte und vier Mal geheiratet hat". Dazu sang Marlis Schabacker-Bock das passende Lied von dessen vierter Hochzeit, das optimistisch so endet: "Wenn sich Zickenschulze wieder scheiden lässt - Kinnerkinns, dann jibts noch mal son schönet Fest!"
Zum Schluss des Abends in der Talmühle gab"s "Rock around the clock", das zwar nicht viel Zusammenhang mit Berlin hat, das Publikum aber begeisterte und mit viel Applaus belohnt wurde.

 
Erscheinungsdatum:  02.05.2014, Copyright Das Blaumännle

 

THEATER / VERGNÜGLICHE KOMÖDIE VON SEBASTIAN SAILER IN DER TALMÜHLE
Die heiligen drei Könige im Schwabenland
Im vollbesetzten Theater in der Talmühle waren "Die schwäbischen heiligen drey Könige" zu Gast. Bei dem komödiantischen Stück des Prämonstratensers Sebastian Sailer waren Schwäbisch-Kenntnisse unabdingbar.
MARGOT AUTENRIETH-KRONENTHALER
Blaubeuren·: Sailer lebte im 18. Jahrhundert, war Lehrer, Pfarrer und Schriftsteller in und um Obermarchtal. Er dichtete im heimatlichen Oberschwäbischen Dialekt und verwendete gerne auch die derbe Sprache der dort lebenden Bauern. Er verband in dem aufgeführten Stück die volkstümlichen Gestalten der heiligen drei Könige und die über sie erzählten Legenden mit der dörflichen Welt seiner Heimat.
So machen in dem Stück die drei Könige aus dem Morgenland Halt bei Herodes, dessen Palast einem schwäbischen Gasthof ähnelt. Der Knecht kehrt den Hof im Blauhemd und fährt mit seinem Reisigbesen den Besuchern grob um die Füße. Der Gesandte der Könige meldet seine Herren an und die beiden geraten in Streit. Da geht es rund: "Moisch i hau Angscht vor dir, sottige wia di fress i zea uf em Kraud". Echtes Hardcore-Schwäbisch also. Die Frau des Herodes ist wenig erfreut: "Du losch au älle Lombabagasch rei", schimpft sie ihren Mann. Die Königin hat Haare auf den Zähnen und eine witzige Prinzessinnenkrone auf dem Kopf. "Se isch a baisa Ripp", lautet das Urteil ihres Mannes.
Die drei heiligen Könige kommen ganz "verlechnet" (ausgetrocknet) an und wollen etwas zu trinken. Der schwäbische Gastgeber spendiert eine Halbe für vier Personen. "Saufet bis ihr gnuag hend."
Die Könige singen das Neujahr an mit den Worten: "Die Heilige drei Kenig mit ihrem Schtera, dia esset ond trenget - ond zahlet et gera." Die knickrige Königin tischt Milchsuppe und einen halben Kohl auf. Man kommt zum Grund des Besuchs, zum neugeborenen König. Da müssten die fürnehmsten Herren befragt werden, der Gönnerus und der Seyboldus. Doch erst die Propheten, die sich in der Bibel auskennen, können Rat geben. Am Ende verabschiedet man sich, die Könige schwingen sich aufs Kamel, "mit dem laanga Hals ond ema graußa Burra uf em Buckel" und reiten von dannen.
Vergnügliche und teilweise köstliche Szenen wurden da von der munteren Truppe von sieben älteren Hobbyschauspielern gegeben. Unter ihnen befanden sich auch zwei pensionierte evangelische Pfarrer, was dem katholischen Pater Sebastian Sailer sicher viel Freude gemacht hätte.
 
Erscheinungsdatum:  03.01.2014, Copyright Das Blaumännle
 

WELTFRIEDENSTAG / TEXTE WIDER DAS VERGESSEN IN DER TALMÜHLE
"Das Leben ist rot"
Am Samstag war Weltfriedenstag. Der verging weitgehend unbeachtet - allerdings nicht im Theater in der Talmühle. Das bot an diesem Abend "Texte wider das Vergessen" von Nazi-Regime und Krieg.
EVA MENNER
Blaubeuren·: Mehr als 60 Jahre Frieden sind keine Selbstverständlichkeit und kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen und die Vergangenheit zu vergessen. "Religiöse Fanatiker quälen und morden im Namen ihrer Lehren, und Rassismus verbreitet sich auch bei uns wieder", sagte Peter Rinker in der Talmühle.
Er hatte für den Abend einige Erinnerung an die Herrschaft der Nationalsozialisten und den Krieg aufgeschrieben. Seine Großmutter schilderte er als stramme NS-Frauenschaftsführerin. Ihrem Mann, der den "Feindsender" BBC hörte, drohte sie, nach Dachau zu schicken. Nach der Verurteilung Görings erklärte sie sich bereit, sich statt dieses Kriegsverbrechers erhängen zu lassen. "Und diese Frau wurde bei der Entnazifizierung als Mitläuferin eingestuft", stellte Rinker fassungslos fest. An Fliegerangriffe und Bombenalarm in Ulm erinnert er sich mit Schrecken. Am 17. Dezember 1944 trifft es ihn und seine Familie: "Alles, was wir hatten, war verbrannt." Mit der Mutter irrte der Junge durch die Stadt, sah Bilder des Grauens, überall Tote und Leichenteile. Kälte, Schnee, nichts zu essen, nichts zu trinken: Wie sie es schließlich am Heiligabend bis zu einer Familie auf dem Land schafften, die sie aufnahm, weiß Rinker nicht mehr. Aber als sie dort ankamen, saßen zwei betrunkene SS-Offiziere auf dem Sofa und sangen sentimentale Lieder. "Seitdem kann ich Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen nicht mehr hören ohne dass mir übel wird."
Barbara Rinker hatte für den Abend Gedichte zweier Frauen ausgewählt, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt wurden. Hedda Zinner 1905 in Lemberg geboren, lebte später in Berlin und trat der KPD bei, war zeitweise in Moskau, kehrte aber nach Ostberlin zurück, wo sie 1994 starb. Sie dichtet: "Es kommt der Krieg ins Land! Da kämpft dein Sohn, Maria, sie sagen: fürs Vaterland. Es wachsen die Dividenden der Rüstungsindustrie, und Millionen Söhne, Maria, kämpfen für sie, für sie!" Selma Meerbaum-Eisinger war Jüdin, geboren 1924, wurde 1942 in ein Arbeitslager in der Ukraine deportiert, wo sie achtzehnjährig an Flecktyphus starb. Ihr Gedicht "Poem" beginnt poetisch, aber die Verzweiflung bricht durch: "Ich möchte leben, Ich möchte nicht sterben. . . Sie kommen dann und würgen mich und dich tot. Das Leben ist rot, braust und lacht. Über Nacht bin ich tot."
Dem Abend mit ernsten Texten und Schicksalen, die berühren, nahmen Christoph Bock und Marlis Schabacker-Bock mit musikalischen Zwischeneinlagen etwas die Schwere.
 
Erscheinungsdatum:  27.09.2013, Copyright Das Blaumännle

 

  aus

Urzeit-Rinder vor der Kamera
Urzeit-Funde, Höhlentaucher, Taurus-Rinder: Mit Kamera und Mikrofon hat Fernsehreporterin Sonja Faber-Schrecklein Blaubeurer Besonderheiten eingefangen.
SWP
Blaubeuren·: "Das war ungewöhnlich und toll, auf der Weide neben so einem großen Taurus-Rind zu stehen": Sonja Faber-Schrecklein hat während ihrer Drehtage für die SWR-Landesschau in der vergangenen Woche in Blaubeuren manches erlebt, was ihr bisher noch nicht begegnet ist. Die Urweide im Steinbruch von Heidelberg Cement war einer der Höhepunkte. Doch sie freute sich auch an weniger Auffälligem: "Man darf die kleinen Sachen nicht vergessen", bilanziert die Reporterin. "Blaubeuren hat ja Motive grad genug." Sie lernte den besonderen Humor des ehemaligen Blaubeurer Lehrers Peter Schmid auf einer Tour durch die Stadt kennen, ebenso wie die schön gestalteten Marionetten im Theater in der Talmühle, die Sommerbühne oder die Höhlentaucher am Blautopf.
Bei so einem Dreh muss man einige Geduld mitbringen. Das erfuhr auch eine Klasse des Gymnasiums im Urgeschichtlichen Museum. Da erklärte Museumspädagoge Hannes Wiedmann beispielsweise, wie die Menschen vor 40 000 Jahren ihre Suppe durch einen ungeheuer heißen Kochstein gewürzt und erhitzt haben. Das war für die Fernsehleute so interessant, dass Kameramann Malte Hallwachs und Tontechnikerin Katharina Greiner einige Handgriffe und die Erläuterungen Wiedmanns viele Male wiederholen ließen. Die Kinder und die Reporterin fandens trotzdem interessant: "Wenn ihr den Film dann seht, werdet ihr den Eindruck haben, als hätte Malte fünf Kameras in der Hand", erklärte die Fernseh-Frau den Schülern.
Gesendet wird die Reportage täglich von Montag, 6. Mai bis Freitag, 10. Mai in "SWR Landesschau Baden-Württemberg". Als halbstündige Reportage ist der Film am Samstag, 11. Mai von 18.45 bis 19.45 Uhr im SWR Fernsehen zu sehen. sp
 
Erscheinungsdatum:  03.05.2013, Copyright Das Blaumännle

 „Blaubeurer Geschichten“

Anekdoten aus der Geschichte
Blaubeuren· Peter Schmid, früherer Lehrer und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Blaubeurer Archivs, hat im Theater in der Talmühle aus seinem umfangreichen Episodenschatz aus der Blaubeurer Geschichte erzählt. Mit großem Erfolg bei den Zuhörern.
Peter Schmid hatte schon vor Jahren sämtliche Ausgaben des historischen Zeitungsmaterials über Blaubeuren aufgearbeitet, angefangen mit dem "Blaumann" ab 1830. Nun bot er den aufmerksamen Zuhörern eine große Anzahl der unterschiedlichsten, kaum bekannten Meldungen und Leserbriefen aus der Blaubeurer Zeitungsgeschichte, vorgetragen teils mit feinem Humor, teils mit Anmerkungen zum Nachdenken über den Zeitgeist.
Besonders berührend empfanden die anwesenden Blaubeurer die Kindergarten- und Schulerinnerungen, die sie an ihre eigenen Erinnerungen gemahnten. Wie viele Blaubeurer wissen wohl noch von Graf Henri de Sandol-Roy aus Neuchatel, der als eine Art "Graf Bobby" von 1862 bis 1910 in Blaubeuren lebte und dessen Grab noch heute auf dem Friedhof existiert? Zum Abschluss ergötzte Peter Schmid seine Zuhörer noch mit Erinnerungen an einen Ferienaufenthalt bei seiner Patentante in Zürich, wobei er durchaus zahlreiche Bezüge zu Blaubeuren aufzeigte.
Traude Fülle, nomen est omen, ergänzte trefflich die Fülle des Mitgeteilten mit ihrem schwungvollen, gekonnten Spiel auf dem Akkordeon.
 
Erscheinungsdatum:  03.05.2013, Copyright Das Blaumännle

 

VORTRAG / ERINNERUNG AN BEKANNTE DEUTSCHE LITERATEN
"Bleib erschütterbar - doch widersteh"
Die Reichen werden reicher, das Großkapital regiert, die Gier der Börsenhaie und globale Verflechtungen - eine Momentaufnahme der heutigen Zeit? Nein das gabs alles schon zu andern Zeiten. Auch Schriftsteller und Dichter, die kritisch dagegen anschrieben.
EVA MENNER
Blaubeuren·: Tucholsky Kästner, Brecht und Rühmkorf gehören dazu und ihnen war im Theater an der Talmühle ein Abend aus der Reihe "Literatur und Musik" gewidmet. Unter dem Titel eines Gedichts von Peter Rühmkorf "Blieb erschütterbar und wiedersteh" lasen Barbara und Peter Rinker sowie Martin Morgen aus deren Texten und erzählten ihre Lebensgeschichten.
Obs am ungemütlichen Wetter lag oder an der nicht leichten Thematik, jedenfalls fand das Ganze vor leider spärlichem Publikum statt. Schade, denn die Texte waren sorgfältig ausgewählt und eindringlich vorgetragen. "Die Auswahl der Gedichte und Autoren ist nicht zufällig, soll Parallelen zur heutigen Wirtschaftssituation aufzeigen", hatte Rinker zu Beginn erklärt. Dschungelcamp und Castingshows - alles wegen der Quote und weil es das Publikum so will? Schon Kurt Tucholsky hatte in "An das Publikum" geschrieben: "Jeder Filmfritze sagt: Was soll ich machen? Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen! Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht: Gute Bücher gehn eben nicht! Sag mal, verehrtes Publikum: bist du wirklich so dumm?"
Tucholsky, "linker Demokrat, Sozialist, Pazifist und Antimilitarist" schaffte es, seinen Kriegsdienst zu überstehen, ohne angeschossen zu werden und ohne einen einzigen Schuss abzugeben. "Ein Gewehr? Und im Kriege? Nie, dachte ich mir. Und lehnte es an eine Hütte. Und ging weg", schreibt er.
Erich Kästner, in der Nachkriegszeit vor allem durch seine Kinderbücher bekannt, war auch ein scharfsinniger Kritiker von Kapitalismus und Militarismus. In "Offener Brief an Angestellte" geißelt er gnadenlos die Chefs: "Manche sagen (wenn auch selten), sie verstünden unsre Not. Und wir kleine Angestellten schmieren uns den Quatsch aufs Brot. Atemholen sei nicht teuer, sagen sie, und nahrhaft auch! Und dann hinterziehn sie Steuer und beklopfen sich den Bauch."
Bertolt Brecht sei vor allem durch seine Theaterstücke bekannt, sagte Barbara Rinker, habe aber auch viel andere Texte verfasst. "Die Ansprache des Bauern" las Peter Rinker: "Gestern hast du gehustet, geliebter Schrittmacher. Wir waren außer uns. Willst du etwa vor der Aussaat verrecken, du Hund?", sagt der Bauer zu seinem getreuen Ochsen.
Nicht ganz so bekannt wie Tucholsky, Kästner und Brecht ist Peter Rühmkorf. Mit wachem Blick für gesellschaftliche Missstände hat der Schriftsteller und Journalist geschrieben. Seine sprachlich nicht ganz einfachen Gedichte las Martin Morgen, so auch das titelgebende Gedicht: "Die uns Erde, Wasser, Luft versauen- Fortschritt marsch! mit Gas und Gottvertrauen - Ehe sie dich eingemeinden, eh du im Strudel bist und schon im Solde, wartend, daß die Kotze sich vergolde: Bleib erschütterbar - doch widersteh."
Vielleicht gibt es eine weitere Aufführung des Abends, dann sollte gelten: Sofa und Fernsehen verlassen und hin.
 
Erscheinungsdatum:  22.03.2013, Copyright Das Blaumännle

 

Zaubergeige entlarvt Dieb

Am Samstag hatte das Marionettentheaterstück "Hans und die Zaubergeige" Premiere im Theater in der Talmühle. Vor vollbesetztem Zuschauerraum beweisen die Puppenspieler ihren Ideenreichtum und ihr Talent an den Fäden, die die Marionetten tanzen lassen.

EVA MENNER

Blaubeuren·: Beim neuen Stück haben neue Spieler das Team verstärkt. Neben den bewährten Spielern Hans Busch und Siegfried Hermann übernahmen Monika Horber-Thumm, Marianne Looser, Günter Reichle und Walter Hermann die Rollen.
Als Märchen für Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene beschrieb das Theaterteam das Stück, und so bildete das Publikum eine entsprechend bunte Mischung. "Wir sind cool bis ins Herz, aber die, die an unseren Fäden ziehen, sind sehr nervös und haben Lampenfieber": So begrüßte Hans alias Siegfried Hermann die Zuschauer. Die Premiere lief aber bis auf kleinere technische Pannen glatt.
Der Schustergeselle Hans hat von seinem perfiden Meister schon seit drei Jahren keinen Lohn erhalten. Nun fordert er diesen ein, verlässt seine Lehrstelle, um anderswo sein Glück zu machen und dann zurückzukehren, um Lisa, die Tochter des Meisters, zu heiraten. Der naive Hans wird aber bald seines Rucksacks beraubt und dann auch noch fälschlicherweise des Diebstahls eines Beutels voller Goldes beschuldigt. Von der Obrigkeit, die an einer echten Aufklärung des Sachverhalts wenig interessiert ist, wird er zum Tod verurteilt. Rettung kommt von einer Geige, die er vorher wegen seiner Großzügigkeit von einer Bettlerin geschenkt bekam. Wenn er darauf spielt, müssen nämlich alle bis zum Umfallen tanzen. Mit dieser als heutzutage politisch wenig korrekt zu bezeichnenden Foltermethode erpresst er das Geständnis des wahren Täters - Ende gut, alles gut.
Das Stück war witzig inszeniert mit kindgerechter Sprache, aber auch mit ein paar versteckten Anspielungen, die die Erwachsenen zum Schmunzeln brachten. Spielerisches Geschick zeigte Siegfried Hermann in der Hauptrolle als Hans mit seinem Geigenspiel. Aber auch andere Spieler beweisen ihr Können bei der Handhabung von Talern, Rucksäcken und Goldbeuteln und zeugten so von vielen Stunden der Übung. Das Märchen "Hans und die Zaubergeige" hat Siegfried Hermann selbst geschrieben - inspiriert von ähnlichen Motiven in anderen Märchen.
Erscheinungsdatum:  19.10.2012, Copyright Das Blaumännle

Hans und die Zaubergeige:  

Fotos: Frank Luwe und Michael C.Thumm

MARIONETTENTHEATER / NEUE BEARBEITUNG
Die schöne Lau kehrt zurück
Am vergangenen Freitag hat die "Schöne Lau" ihre Rückkehr nach Blaubeuren gefeiert. 144 Mal war das Marionettenspiel in den 80er und 90er Jahren im Blautopfhaus aufgeführt worden.
EVA MENNER
Blaubeuren·: Nun hat das Theater in der Talmühle das alte Stück von der "Schönen Lau" wieder zum Leben erweckt - allerdings in einer ganz neuen Bearbeitung. Die Marionetten waren von der 1920 in Enslingen geborenen Künstlerin Marianne Fink geschaffen worden, die das Stück ab 1985 am Blautopf spielte. Nach ihrem Tod 1997 erbte die Stadt Blaubeuren die Marionetten. Sie wurden dann zunächst von der Theaterwerkstatt Ulm unter der Leitung von Adi Hübel genutzt und lagerten schließlich gut behütet lange Zeit im Magazin der Stadt Blaubeuren.
Der Blaubeurer Verein für Puppenspiel und Theater erhielt die Puppen dann als Dauerleihgabe. Schon länger hatte der Verein den Wunsch, die Marionetten zu nutzen und das Stück von der Fürstentochter vom schwarzen Meer, die am Blautopf das Lachen lernte, wieder aufzuführen. Zunächst stand aber viel Arbeit an. In der Finkschen Bearbeitung des Mörike-Textes wurde viel erzählt, es gab wenig Dialoge. "Wir wollten das Stück lebendiger gestalten und haben darum eine ganz neue Inszenierung gemacht", erklärt Barbara Rinker, die für die Regie verantwortlich zeichnet.
Soweit möglich wurde Mörikes Originaltext eingesetzt, weshalb im Programmheft denn auch Begriffe wie Bauernschwaiger (Kreisel) oder Karzer (Hausarrest) erklärt werden. "Die schöne Lau hat bei Mörike keinen Fischschwanz", stellt Rinker klar. Und so ist die recht unbekleidete Lau der Marianne Fink eindeutig mit menschlichen Formen ausgestattet. Die Marionette der Lau in der Talmühle ist allerdings nicht original. Da die Figuren der Lau und zweier ihrer Zofen unter der Lagerung gelitten hatten, kopierte Peter Rinker die Figuren und gestaltete den Zwerg sogar vollkommen neu. Er ist auch verantwortlich für das einfallsreich und aufwendig gestaltete Bühnenbild. Da taucht die schöne Lau plastisch aus dem Brunnen der Wirtin Berta auf, der Blautopf brodelt und wabert. Besonderen Applaus gab es für die witzig inszenierte Szene mit den kichernden Mädchen und ihren Spinnrädern bei der Lichtkarz. Sehenswert ist die Aufführung im Theater in der Talmühle allemal, auch wenn die Handlung kein Geheimnis ist.
Die nächsten Vorstellungen des Stücks "Wie die schöne Lau das Lachen lernte" sind am 13. Januar um 17 Uhr und am 18. Januar um 20 Uhr.
 
Erscheinungsdatum:  21.12.2012, Copyright Das Blaumännle
 
THEATER / ABWECHSLUNGSREICHER UND HUMORVOLLER BORCHERT-ABEND MIT MUSIK UND LITERATUR IN DER TALMÜHLE
"Warum ist unser Herz so klein?"
Am Dienstag, den 20. November, hat sich Wolfgang Borcherts Todestag zum 65. Mal gejährt. Anlass für das Theater in der Talmühle, einen abwechslungsreicher Abend mit Texten des Schriftstellers zu gestalten.
EVA MENNER
Blaubeuren·: Ein überaus gelungener Abend ist in Erinnerung an den Schriftsteller Wolfgang Borchert im Theater in der Talmühle entstanden. Ein Abend mit ernsten, nachdenklich machenden Seiten, aber auch ein Abend, bei dem herzlich gelacht wurde, als Siegfried Hermann beispielsweise auswendig und mit großem schauspielerischem Talent geradezu meisterhaft die Erzählung "Schischyphusch oder der Kellner meines Onkels" vortrug, einen der wenigen humorigen Texte Borcherts vortrug.
Für die musikalische Seite waren Michel Hermann und Markus Müller zuständig. Der Hamburger Johannes Kirchberger hat vor ein paar Jahren etliche Gedichte Borcherts für Klavier vertont und eine CD mit dem Titel "Meine Seele ist noch unterwegs" herausgebracht. Hermann hat das Ganze für Gitarre und Geige umgeschrieben. Herausgekommen sind sehr bewegende Stücke voller Melancholie mit Texten wie "Warum, ach sag, warum / ist unser Herz so klein? / Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht, / das kommt wohl von der dunklen Nacht, / da sind wir ganz allein" aus dem "Abendlied".
Peter Rinker trug einen biografischen Teil zu dem Abend bei. "Die Erinnerung an Wolfgang Borchert ist ein Beispiel dafür, wie Krieg einen jungen Menschen in seiner Existenz allmählich zerstören kann", sagte er. Innerhalb seines kurzen Lebens, das in seiner Intensität für zwei gereicht hätte, habe Borchert ein großes literarisches Erbe geschaffen. Borchert wurde 1921 geboren, auf Betreiben seiner Eltern begann er eine Buchhändlerlehre, brach sie aber ab und absolvierte stattdessen eine Schauspielausbildung.
Seine "kurze wunderbare Theaterzeit" empfand er als die schönste Zeit seines Lebens. 1941 wurde er in die Wehrmacht eingezogen und nahm am Angriff auf die Sowjetunion teil. Verletzungen, Infektionen, Anklagen wegen Selbstverstümmelung, Gefängnis, Wiederversetzung an die Front, Erfrierungen, erneute Verhaftung und Verurteilung wegen Wehrkraftzersetzung folgten. Borchert wurde nie wieder gesund und starb am 20. November 1947, einen Tag vor der Theateruraufführung seines wohl bekanntesten Stücks "Draußen vor der Tür". Kaum weniger bekannt ist sein letztes Werk "Dann gibt"s nur eins", das er nur wenige Tage vor seinem Tod schrieb. Die wiederholte Aufforderung "Sag Nein" im Text wurde später zu einem Motto der Friedensbewegung.
Ausdruckstark und wortgewaltig ist dieser von Rinker vorgetragene Prosatext. "Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins: Sagt Nein!" schreibt Borchert gegen den Krieg an.
Die Kurzgeschichte "Das Brot", erzählt von Siegfried Hermann, schildert, wie angesichts der Nahrungsknappheit der Nachkriegsjahre eine heimlich abgeschnittene Scheibe Brot zum Anlass für Lügen wird. Zu großer Form lief Hermann auf mit dem "Schischyphusch". Eine tragisch-komische Situation in einem Gartenlokal, Borcherts Onkel, der die S-Laute nicht aussprechen kann und ein Kellner, der das gleiche Sprachproblem hat. "Bitte schehr, Schie wünschen?" fragt der Kellner und die Antwort des Onkels lautet: "Schwei Aschbach und für den Jungen Schelter oder Brausche!"
Absurd und doch menschlich, rasant und mit vielen Wortspielen spinnt Borchert die Geschichte weiter, die Hermann aufs Beste zum Besten gibt, viel Gelächter und Applaus im Publikum für einen Abend, wie er abwechslungsreicher nicht hätte sein können.
 
Erscheinungsdatum:  30.11.2012, Copyright Das Blaumännle
 

LESUNG / DER ULMER HALIL IBRAHIM KAPLAN LIEST AUS SEINEM AUTOBIOGRAFISCHEN ROMAN IN DER TALMÜHLE
Eine türkische Erfolgsgeschichte
Autor hofft auf Nachahmer - Lesung in Blaubeuren interessiert Türkischstämmige nicht
Gelungene Integration türkischstämmiger Mitbürger haben Besucher im Theater in der Talmühle erlebt. Halil Ibrahim Kaplan las aus seinem biographischen Buch "Das Dorf in der Ferne". Es beschreibt den schwierigen Weg vom türkischen Dorf nach Deutschland.
MARGOT AUTENRIETH-KRONENTHALER

 

Halil Ibrahim Kaplan beeindruckte die Zuhörer. FOTO: mak

Ulm/Blaubeuren·: Das Ehepaar Halil und Rukiye Kaplan lebt seit 1972 in Ulm und engagiert sich im gesellschaftlichen und interkulturellen Leben. Dafür wurde es vom Bundespräsidenten empfangen, erhielt die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und eine Ehrung der Stadt Ulm. Halil Kaplan arbeitete lange Jahre als Schlosser bei IVECO, war aktiver Gewerkschaftler und Betriebsrat. Im Ruhestand schrieb er seine eigene Lebensgeschichte nieder, stellvertretend für die aller Gastarbeiter der ersten Generation.
Kaplan ist in ärmlichen Verhältnissen in einem anatolischen Dorf aufgewachsen. Er kämpfte für seine höhere Schulbildung und machte eine Facharbeiterausbildung. Als 23-Jähriger mit für dortige Verhältnisse guter Bildung, lässt er sich nach Deutschland anwerben, wo in den 60er Jahren dringend Arbeitskräfte gesucht wurden. Für ihn das "gelobte Land". Er musste eine medizinische Untersuchung über sich ergehen lassen, die er als demütigend empfand. Er sei sich vorgekommen "wie ein Mensch, der nackt auf dem Markt zum Verkauf steht. Es war so, als ob der Arzt sicher gehen wollte, welchen Geschlechts wir sind." Auch die Zähne wurden begutachtet.
In Deutschland erwarteten ihn harte Jahre in der Arbeit. Von den Arbeitskollegen wird er nicht akzeptiert, er wird ausgenutzt, bekommt die schlechteste oder schwerste Arbeit zugeteilt. Er fängt an sich zu wehren, lässt sich nicht mehr alles gefallen. "Ich wollte meine Rechte einfordern und gegen Ungerechtigkeiten nicht mehr schweigen."

Kaplan wird Betriebsrat

Kurz nach seiner Ankunft in Deutschland heiratete er das von seiner Familie vorgeschlagene Mädchen Rukiye und gründet mit ihr eine Familie. Kaplan und seine Frau setzen sich nicht nur für sich selber ein, sondern helfen auch anderen türkischen Migranten. Halil Kaplan engagiert sich in der Gewerkschaft und wird Betriebsrat. Rukiye setzt sich, bedingt durch ihre Kinder, in der Schule ein, gründet eine Hausaufgabenhilfe für Migrantenkinder und initiiert einen Deutschkurs für türkische Mütter.
In Ulm ist das Ehepaar Kaplan durch ihr großes gesellschaftliches und soziales Engagement bekannt. Dass sich hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau verbirgt, scheint sich auch bei den Kaplans zu bewahrheiten. Nach der Lesung kam das Paar mit den Besuchern ins Gespräch. Die redegewandte und agile Rukiye Kaplan, die so gar nicht dem Klischee der türkischen Ehefrau entspricht, erzählte von ihrem guten Verhältnis zur deutschen Nachbarschaft. Die beiden Kinder hätten zum älteren Nachbarsehepaar Oma und Opa gesagt. Man sei sogar zu Weihnachten eingeladen gewesen. "Nehmen Sie Kontakt auf", ermutigte sie die Besucher. "Es ist eine gegenseitige Bereicherung." Man spreche und höre so viel über Ausländer, sagt Rukiye Kaplan, dass das Individuum vergessen werde.
Deshalb sei das Buch auch entstanden. In ihm werde ein einzelnes Familienschicksal dargestellt. "Wir wollen, dass das Buch gelesen wird", betonte das Ehepaar. Die deutsche Übersetzung wurde vom Land Baden-Württemberg finanziert. Halil und Rukiye Kaplan sind stolz auf ihre beiden Kinder, die studiert haben und heute in gehobenen Positionen arbeiten. Eine Geschichte, die nachgeahmt werden will. Bedauerlich aber, dass zur Lesung keine türkischstämmigen Mitbürger gekommen waren.

INFO "Das Dorf in der Ferne", Halil Ibrahim Kaplan, Wogama Verlag, 14,80 Euro

 
Erscheinungsdatum: 08.06.2012, Copyright Das Blaumännle
 

KULTUR / NOSTALGISCHER ABEND MIT "VORGESTERN" IM THEATER IN DER TALMÜHLE
Berliner Schnauze mit einem Schuss Melancholie
Einen nostalgischen und atmosphärisch dichten Abend erlebten die Besucher des Theaters in der Talmühle mit dem Ensemble "Vorgestern". Mit Liedern und Chansons aus und über Berlin entführten die Sängerinnen in eine vergangene Zeit.
MARGOT AUTENRIETH-KRONENTHALER
Blaubeuren·: Bestens unterstützt wurden die Sängerinnen Marlies Schabacker-Bock und Traude Schlenker bei ihrem Auftritt dabei von Helmut-Christoph Bock (Keyboard) sowie Leslie ter Jung (Saxophon, Klarinette und Querflöte). Durchs Programm führte Angelika Blattner. Diese Veranstaltung hatte Charme, es gab viel Herz und Schnauze, Witz, Hintergründiges und auch Sentimentales von der Berliner Truppe zu hören.
Marlies Schabacker-Bock sang gekonnt Lieder wie "Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen" von Hildegard Knef, in denen die Liebe zur Stadt mit einem Schuss Melancholie zum Ausdruck kam. Traude Schlenker gab freche Lieder mit Witz und Charme zum besten, etwa "Ham se nicht nen Mann für mich", bei dem die Besucher in den Refrain mit einstimmten. Auch der Song "Ein Neandertaler", bei dem die Protagonistin die Vorzüge der Steinzeitmannen gegenüber den heutigen, verweichlichten Männern hervorhob, hatte es in sich.
Sehr witzig auch der heiße Tipp in Liedform: "Nehmen se nen Alten", was sich wiederum auf die Männer bezog. So richtiges Berliner Milieu war dem lustigen Liedchen über die vierte Hochzeit des "Zicken-Schulze aus Bernau" abzuspüren. Die ganz bekannten Songs aus den 20er Jahren und danach durften natürlich nicht fehlen. "Die Männer sind alle Verbrecher", "Ich küsse Ihre Hand, Madame" oder "Kriminal-Tango" wurde in bester Manier vorgetragen. Sentimental wurde es bei "Lilli Marleen" oder dem "Leierkastenmann".
Das etwas frivole Liedchen "Der Novak" sorgte 1960 für Aufregung, als die Aufnahmen wegen der "schamverletzenden und unzüchtigen Texte" beschlagnahmt wurden. Für heutige Verhältnisse kommt der Song dann doch recht harmlos daher. Die Sängerinnen präsentierten die Chansons sehr nuancenreich und gestalteten sie ansprechend aus. Die Musiker unterstützen sie dabei auf ideale Weise.
Leslie ter Jung griff auch noch zum Mikrophon und schmachtete "Ich küsse Ihre Hand Madame". Angelika Blattner mimte die Schwäbin in Berlin und verstand es gut, plausibel überzuleiten oder nette Anekdoten zu erzählen.
Die überwiegend älteren Besucher schwelgten in Erinnerungen. So auch Irmingard Jaks und Elke Sadler, die in Potsdam beziehungsweise Berlin geboren und aufgewachsen sind und jetzt in Blaubeuren leben. "Mir geht hier das Herz auf", meinte Irmingard Jaks. Theaterleiterin Barbara Rinker freute sich über die Unterstützung ihres Zimmertheaters, denn "Vorgestern" trat ohne Gage auf.
 
 
Erscheinungsdatum:  25.05.2012, Copyright Das Blaumännle

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